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Girokonto wechseln: Checkliste für den reibungslosen Wechsel

Taschenrechner und Stift auf Finanzunterlagen als Symbolbild für den Girokontowechsel.

Ein neues Girokonto kann günstiger sein oder besser zu deinem Alltag passen. Der eigentliche Wechsel ist aber mehr als eine neue Bankkarte: Gehalt, Miete, Versicherungen, Daueraufträge, Lastschriften und digitale Zahlungsdienste müssen zuverlässig weiterlaufen. Mit einer klaren Reihenfolge lässt sich das Risiko übersehener Zahlungen reduzieren.

Diese Anleitung führt dich Schritt für Schritt durch den Kontowechsel und zeigt, worauf Privatpersonen in Deutschland, Österreich und der Schweiz achten sollten. Die gesetzlichen Abläufe unterscheiden sich je nach Land; prüfe deshalb immer die Bedingungen deiner bisherigen und deiner neuen Bank.

Vor dem Wechsel: Passt das neue Konto wirklich besser?

Vergleiche nicht nur die monatliche Kontoführungsgebühr. Prüfe auch, welche Leistungen im Preis enthalten sind und welche Zusatzkosten entstehen können:

  • Kontoführung und Kosten für Buchungen oder Papierauszüge
  • Debit- und Kreditkarte, Bargeldbezüge und Zahlungen im Ausland
  • Gebühren für Fremdwährungen und internationale Überweisungen
  • Mobile Banking, Erreichbarkeit des Kundendienstes und Filialservice
  • Überziehungsrahmen, Zinsen und Bedingungen für Gemeinschaftskonten
  • Kosten für die Schließung des alten Kontos oder den Transfer weiterer Produkte

Lies das Preis- und Leistungsverzeichnis, bevor du den Antrag abschickst. Ein Aktionsbonus ist nur ein Teil des Gesamtbilds: Entscheidend sind die Kosten und Funktionen, die du im Alltag tatsächlich brauchst.

Girokonto wechseln: Schritt für Schritt

1. Alte Kontoauszüge systematisch durchsehen

Prüfe möglichst die Umsätze der vergangenen zwölf bis dreizehn Monate. So erkennst du nicht nur monatliche Zahlungen, sondern auch jährliche Versicherungsbeiträge, Mitgliedschaften oder seltene Rechnungen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, für den Kontowechsel die vorhandenen Zahlungsinformationen sorgfältig zu prüfen, weil die Umstellung nicht immer fehlerfrei abläuft.

Notiere jede wiederkehrende Buchung in einer Liste. Du brauchst dafür keine Passwörter oder vollständigen Kartendaten zu sammeln. Anbietername, Zahlungsart, ungefährer Rhythmus und der Hinweis „bereits umgestellt“ reichen für eine praktische Übersicht.

2. Neues Konto eröffnen und einsatzbereit machen

Warte mit der Kündigung des alten Kontos, bis das neue Konto eröffnet und nutzbar ist. Prüfe, ob du dich anmelden kannst, deine Karte erhalten hast und Überweisungen sowie Onlinezahlungen funktionieren. Richte die Sicherheitsfunktionen ein und bewahre die neuen Kontodaten sicher auf.

3. Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge erfassen

Teile deine Liste in zwei Bereiche auf.

  • Eingänge: Gehalt, Rente oder Pension, Sozialleistungen, Erstattungen, regelmäßige Überweisungen und Einnahmen aus Vermietung.
  • Ausgänge: Miete, Strom, Versicherungen, Kreditraten, Vereinsbeiträge, Abonnements, Mobilfunk, Internet und andere Lastschriften.

Vergiss auch digitale Dienste nicht: Zahlungsdienste, Online-Marktplätze, App-Stores und Wallets können gespeicherte Bankverbindungen verwenden. Eine Kartenabbuchung ist nicht dasselbe wie ein Dauerauftrag oder ein Lastschriftmandat; prüfe deshalb jede Zahlungsart einzeln.

Wenn du ohnehin deine regelmäßigen Kosten sortierst, hilft dir auch der bestehende Beitrag Haushaltsbudget erstellen: Fixkosten, Abos und Rücklagen planen. Er zeigt, wie du wiederkehrende Ausgaben und jährliche Rechnungen übersichtlich erfasst.

4. Kontowechselhilfe bei der neuen Bank anfragen

Frage die neue Bank, welchen Kontowechselservice sie anbietet und welche Aufgaben er konkret übernimmt. Je nach Land und Bank können Informationen zu Daueraufträgen, Lastschriften und wiederkehrenden Zahlungseingängen übertragen oder Zahlungspartner informiert werden.

Verlasse dich trotzdem nicht darauf, dass damit automatisch jede gespeicherte Zahlungsart aktualisiert ist. Bitte um eine Übersicht der übernommenen Aufträge und gleiche sie mit deiner eigenen Liste ab. Frage auch nach möglichen Gebühren für zusätzliche Leistungen oder für die Schließung des bisherigen Kontos.

5. Zahlungspartner selbst informieren, wo nötig

Informiere alle Stellen, bei denen du die Bankverbindung selbst hinterlegen musst. Dazu können Arbeitgeber, Renten- oder Leistungsstellen, Vermieter, Versicherungen, Kreditgeber und andere Vertragspartner gehören. Prüfe außerdem Zahlungsdienste, Online-Shops und Apps, in denen deine alte IBAN oder eine alte Karte gespeichert ist.

Verwende für Änderungen nur die offiziellen Websites oder Apps der jeweiligen Anbieter. Gib Bankdaten nicht als Antwort auf unerwartete E-Mails oder Nachrichten weiter, die dich unter Zeitdruck setzen.

6. Altes und neues Konto vorübergehend parallel prüfen

Schließe das alte Konto nicht vorschnell. Lass genügend Guthaben für noch ausstehende Belastungen und prüfe, ob noch Erstattungen oder verspätete Rechnungen eintreffen können. Wie lange eine Übergangsphase sinnvoll ist, hängt von deinen Zahlungsrhythmen und den Rückmeldungen der Anbieter ab; einen für alle Fälle passenden Zeitraum gibt es nicht.

Kontrolliere in dieser Zeit beide Konten regelmäßig. Achte auf zurückgewiesene Lastschriften, doppelte Abbuchungen, fehlende Zahlungseingänge und mögliche Mahngebühren. Wenn etwas schiefgeht, dokumentiere die Buchung und kontaktiere die beteiligte Bank oder den Zahlungspartner zeitnah.

7. Erst nach der Kontrolle das alte Konto schließen

Wenn die wichtigen Zahlungseingänge und -ausgänge zuverlässig über das neue Konto laufen, kläre mit der alten Bank die Kontoschließung. Frage nach Kündigungsfristen, Restguthaben, offenen Kartenumsätzen und möglichen Abschlussgebühren. Bewahre Bestätigungen und die letzten Kontoauszüge für deine Unterlagen auf.

Was gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Deutschland

Für Zahlungskonten gibt es eine gesetzliche Kontenwechselhilfe nach dem Zahlungskontengesetz. Wenn die beteiligten Banken die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, kann die neue Bank mit deiner Ermächtigung Informationen über Daueraufträge, Lastschriftmandate und wiederkehrende Zahlungseingänge anfordern. Die Verbraucherzentrale weist zugleich darauf hin, dass bei der praktischen Umstellung Fehler vorkommen können. Vergleiche daher die von den Banken bereitgestellten Listen mit deinen eigenen Kontoauszügen und prüfe, welche Leistungen eventuell kostenpflichtig sind.

Weitere Hinweise bietet die Verbraucherzentrale: Banken müssen beim Kontowechsel helfen.

Österreich

Auch in Österreich gibt es einen gesetzlichen Kontowechsel-Service. Nach den Informationen der Arbeiterkammer gilt er für den Wechsel zwischen Banken mit Sitz in Österreich. Sie beschreibt unter anderem Fristen für die Weitergabe von Informationen und die Einrichtung der Zahlungsaufträge. Bei einem Wechsel in einen anderen EU-Mitgliedstaat ist der Ablauf anders: Die bisherige österreichische Bank muss die erforderlichen Informationen bereitstellen, während die Umstellung mit der neuen Bank organisiert werden muss.

Die aktuellen Einzelheiten findest du bei der Arbeiterkammer: Girokonto wechseln. Frage deine Banken nach den für deinen konkreten Wechsel geltenden Fristen und Kosten.

Schweiz

Die EU-Regeln zum Kontowechsel gelten nicht automatisch für Schweizer Banken. Kläre daher mit beiden Instituten, welche Unterstützung beim Übertragen von Daueraufträgen und Zahlungspartnern angeboten wird und welche Fristen oder Gebühren gelten. Prüfe insbesondere, ob du eBill, Lastschriftverfahren, QR-Rechnungen oder gespeicherte Kartenangaben selbst aktualisieren musst.

Der Schweizer Preisüberwacher hat in seiner 2026 veröffentlichten Marktbeobachtung Gebühren für Kontoschließungen und Wertschriftentransfers als mögliche Hürden beim Bankwechsel untersucht. Das ist kein pauschaler Beleg dafür, dass jede Kontoschließung etwas kostet: Prüfe das Preisverzeichnis deiner Bank und frage bei unklaren Positionen nach. Siehe die Marktbeobachtung zu den Gebühren von Schweizer Bankkonten.

Checkliste zum Abhaken

  • ☐ Preis- und Leistungsverzeichnis des neuen Kontos geprüft
  • ☐ Neues Konto eröffnet und Onlinezugang getestet
  • ☐ Kontoauszüge der vergangenen zwölf bis dreizehn Monate durchgesehen
  • ☐ Daueraufträge, Lastschriften und regelmäßige Zahlungseingänge notiert
  • ☐ Umfang und mögliche Kosten der Kontowechselhilfe geklärt
  • ☐ Arbeitgeber, Vermieter, Versicherungen und weitere Zahlungspartner informiert
  • ☐ Zahlungsdienste, Apps und Online-Shops auf alte Bankdaten geprüft
  • ☐ Beide Konten während der Übergangsphase kontrolliert
  • ☐ Ausstehende Zahlungen, Erstattungen und Kartenumsätze geklärt
  • ☐ Bestätigung der Kontoschließung und wichtige Unterlagen aufbewahrt

Regelmäßige Kosten beim Wechsel gleich mitprüfen

Ein Kontowechsel ist ein guter Anlass, die wiederkehrenden Abbuchungen kritisch durchzugehen. Kündige aber keinen Vertrag nur deshalb, weil du die Zahlung umstellst. Prüfe erst, ob du den Dienst noch brauchst und welche Kündigungsbedingungen gelten. Wenn du deine laufenden Telekommunikationskosten vergleichen möchtest, findest du auf der Website auch einen Mobilfunk-Vergleichsrechner und einen DSL-Vergleichsrechner. Vergleiche die tatsächlichen Vertragsbedingungen, Laufzeiten und Gesamtkosten, bevor du dich entscheidest.

Häufige Fragen zum Girokonto-Wechsel

Muss ich das alte Konto sofort kündigen?

Nein. Praktisch ist es meist sinnvoll, zunächst das neue Konto zu aktivieren, die Zahlungen umzustellen und beide Konten zu kontrollieren. Beachte die Bedingungen deiner alten Bank und kündige erst, wenn offene Buchungen und Zahlungspartner geklärt sind.

Werden alle Lastschriften automatisch übernommen?

Darauf solltest du dich nicht verlassen. Der Umfang der gesetzlichen Kontowechselhilfe und der tatsächliche Service hängen von Land, beteiligten Banken und dem jeweiligen Auftrag ab. Prüfe die übermittelten Listen und aktualisiere Zahlungsdaten selbst, wenn das nötig ist.

Was passiert, wenn eine Zahlung nach dem Wechsel fehlschlägt?

Kontaktiere die Bank und den Zahlungsempfänger möglichst schnell. Bewahre Buchungsdetails und Mitteilungen auf und kläre, ob eine erneute Zahlung erforderlich ist. Bei entstandenen Gebühren kannst du prüfen lassen, ob sie durch einen Fehler im Kontowechsel verursacht wurden und wer dafür verantwortlich ist.

Kann ich ein Konto in einem anderen Land eröffnen und den Kontowechselservice nutzen?

Die Regeln unterscheiden sich. Der EU-Kontowechselservice bezieht sich grundsätzlich auf Wechsel innerhalb desselben Mitgliedstaats; grenzüberschreitende Wechsel folgen anderen Abläufen. Für Schweizer Banken gelten die EU-Regeln nicht automatisch. Kläre den konkreten Fall vorab mit beiden Banken.

Fazit: Erst umstellen, dann schließen

Ein reibungsloser Kontowechsel beginnt mit einer vollständigen Übersicht der regelmäßigen Zahlungseingänge und Abbuchungen. Nutze die Unterstützung deiner neuen Bank, kontrolliere aber selbst, ob alle wichtigen Zahlungswege übernommen wurden. Halte das alte Konto so lange verfügbar, wie es für die Prüfung offener Vorgänge sinnvoll ist, und schließe es erst nach einer abschließenden Kontrolle.

Diese Anleitung bietet allgemeine Verbraucherinformation und keine individuelle Rechts- oder Finanzberatung. Bei Streit über Gebühren oder bei einem grenzüberschreitenden Wechsel solltest du die Bedingungen der beteiligten Banken und gegebenenfalls eine zuständige Verbraucherberatungsstelle prüfen.